Pädagogisches Konzept

Pädagogisches Konzept

Roter Faden: Wo ein Kind sich sicher fühlt, spielt es — und im Spiel exploriert, lernt und blüht es auf. Sicherheit ist die Bedingung, das Spiel der Weg, Aufblühen das Ziel.
Dieses Konzept denkt vom aufblühenden Menschen her rückwärts. Die Frage ist nicht «Was muss das Kind heute können?», sondern «Welche innere Ausstattung braucht ein Mensch, um in einer noch unbekannten Welt verbunden, wirksam und lebendig zu sein — und wie legen wir dafür in den ersten Jahren den Grund?». Die ersten vier Jahre sind kein Vorspiel zur eigentlichen Bildung; in ihnen entsteht die Architektur, auf der alles Weitere aufsetzt.
Die fünf Teile folgen einer Bewegung: Intention (warum) → Leitgedanken (was) → Anwendung (wie im Alltag) → Entwicklung (wie wir besser werden) → Aufblühen (wohin es alle trägt).
Die Spannung, die wir offenhalten: «Sicherheit zuerst» heisst nicht Frustvermeidung. Entwicklung braucht die erträgliche Herausforderung am oberen Rand des Toleranzfensters. Sicherheit geben und Wachstum am Rand ermöglichen.


Teil 1 — Intention

Unser Bild vom Menschen — und wohin es zielt.
Die Mission zuerst. Alles beginnt bei unserem Versprechen: jedes Kind wird bei uns inspiriert und gestärkt. Darin steckt schon der ganze rote Faden — gestärkt meint den sicheren Grund, inspiriert das Aufblühen. Beide Bewegungen zusammen sind die Kita, die wir sein wollen.
Menschenbild und Rechenschaftspflicht. Alle Menschen sind gleichwürdig — auch das kleinste Kind (Juul). Gleichwürdig heisst gleicher Wert, nicht gleiche Macht: Machtgefälle ja, Würdegefälle nein. Das Kind hat nicht dieselbe Entscheidungsmacht, aber denselben Anspruch, in seinem Erleben ernst genommen zu werden. Daraus folgt etwas Unbequemes und Seltenes: Wer das Kind so ernst nimmt, ist ihm gegenüber rechenschaftspflichtig — nicht nur den Eltern oder der Behörde. Wir schulden dem Kind Rechenschaft dafür, wie wir mit ihm in Beziehung treten und arbeiten.
Partizipation. Aus der Gleichwürdigkeit folgt Beteiligung: Das Kind gestaltet seinen Alltag und sein Lernen mit — es wählt, entscheidet mit, wird gehört. Wir folgen seinem Interesse, überlassen ihm, was es selbst kann, und lesen seine Signale als Mitsprache, nicht als Störung. Partizipation ist bei uns kein Gremium, sondern eine tägliche Haltung im Kleinen.
Inklusion und Chancengerechtigkeit. Jedes Kind gehört dazu, wie es ist — mit seiner Sprache, Herkunft, Familie und seinem Tempo. In der Vielfalt von Kreis 4 ist das kein Zusatz, sondern Kern: Mehrsprachigkeit ist Ressource, nicht Hürde; kulturelle Teilhabe (Lapurla) auch eine Frage der Chancengerechtigkeit. Wir passen den Rahmen ans Kind an, nicht das Kind an den Rahmen — besondere Bedürfnisse eingeschlossen.
Bildungsverständnis. Bildung ist keine Vermittlung, sondern Selbstbildung in Ko-Konstruktion: Das Kind konstruiert sein Wissen handelnd, wir ermöglichen, statt zu belehren. Das Spiel ist dabei kein Angebot unter vielen, sondern das Medium — die ursprünglichste Form, in der ein kleines Kind sich die Welt aneignet. Es steckt in unserem Namen: PLAYground.
Haltung: Gastgeberin sein, lösungsorientiert. Unsere verbindende Alltagshaltung fasst sich in ein Bild: Wir sind Gastgeberinnen — für die Kinder, die Eltern und einander. Willkommen heissen, Sicherheit und Zugehörigkeit geben, Raum geben — und die Energie erhöhen. Getragen wird das vom lösungsorientierten Ansatz (LOA): Präsenz, Beziehung, Werteorientierung, kollektive Verantwortung, ein ressourcen- statt defizitorientierter Blick — dieselbe Grammatik auf allen Ebenen: Kind, Team, Organisation.
Wohin es zielt: Aufblühen und Resilienz. Sicherheit ist die Bedingung, nicht das Ziel. Das Ziel ist Aufblühen — beschrieben über die fünf Wege von PERMA (Positive Emotion, Engagement/Flow, Beziehungen, Sinn und Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit) — und, als Fernziel dahinter, Resilienz: Belastung nicht vermeiden, sondern begleitet tragen und in den sicheren Zustand zurückfinden.
Wissenschaft braucht Haltung. «Wissenschaftlich fundiert» bleibt nur ehrlich, wenn wir offenlegen, worauf das Konzept steht: auf einer Wertsetzung, die wir nicht beweisen; einer gewählten Grundhaltung; und einer Fundierung, die je nach Thema unterschiedlich stark belegt ist.


Teil 2 — Leitgedanken

Woher wir kommen: normativ aus den Menschenrechten (Kinderrechte, Gleichwürdigkeit); wissenschaftlich aus einer offen deklarierten Wissenschaftlichkeit (evidenzbasiert, mit ehrlicher Einordnung); pädagogisch aus Reggio, Pikler und Piaget — weitergedacht: neurobiologisch geerdet (Sicherheit zuerst, bei Reggio und Pikler eher vorausgesetzt), das Aufblühen ins Zentrum gestellt und mit einer überprüfbaren Schleife versehen, wo Reggio bewusst assessment-arm bleibt.

Sicherheit — der Grund

«Zuerst Sicherheit, dann alles andere.»
Theorie. Das Gehirn wird in Beziehung gebaut. Serve and return — die feinfühlige Antwort auf kindliche Signale — verdrahtet Bindung, Stressregulation und Selbststeuerung; das Kind reguliert anfangs nicht selbst, sondern über uns (Co-Regulation vor Selbstregulation). Die Polyvagaltheorie liefert das Bild dazu: Das Nervensystem prüft vorbewusst (Neurozeption), ob es sicher ist — nur im sicheren Zustand sind Spiel, Lernen und Begegnung möglich.
Ehrliche Einordnung: Die Polyvagaltheorie ist als klinisches Erklärmodell nützlich, in der peer-reviewten Neurowissenschaft aber umstritten. Wir führen sie als Linse — die Empfehlung «Sicherheit und Co-Regulation zuerst» ist über Bindungs- und Stressforschung unabhängig gestützt.
Anwendung. Feinfühlig co-regulieren, verlässlich verfügbar sein, nach Brüchen die Beziehung wiederherstellen. Der Raum als dritte Pädagogin trägt mit: warm, optisch wie akustisch ruhig, mit integrierten Angeboten sendet er dem Nervensystem vorbewusst «hier bin ich sicher». Und die verlässliche Beziehung einer Fachperson ist zugleich der stärkste Resilienz-Schutzfaktor (Harvard, National Scientific Council) — hier wird «toxischer Stress zu erträglichem Stress» (Shonkoff).
Was Sicherheit freisetzt: Exploration. Ein sicheres Kind nutzt die erwachsene Person als sichere Basis und wird zum kleinen Forscher, der sein Wissen handelnd konstruiert. Exploration ist kein weiterer Programmpunkt — sie ist das, was aus Sicherheit von selbst entsteht.

Spiel — der Weg

«Freies Spiel ist die wichtigste Aktivität »
Theorie. Im Spiel eignet sich das Kind die Welt handelnd an: Es probiert Rollen, Regeln, Sprache und Lösungen. Piaget zeigt das Kind als Konstrukteur; Vygotsky zeigt, dass gerade das So-tun-als-ob die Selbstregulation aufbaut («im Spiel ist das Kind einen Kopf grösser als es selbst»). Freies wie begleitetes Spiel — mitspielen, ohne zu übernehmen — ist der wirksamste Lernweg dieser Jahre.
Anwendung. Grosszügige, ununterbrochene Spielzeit schützen; dem Interesse des Kindes folgen; mitspielen, ohne die Regie zu übernehmen; Vertiefung nicht für «Aktivitäten» zerstückeln.
Was im Spiel entsteht: Flow. In der Tiefe des Spiels entsteht Flow (Csikszentmihalyi) — bei passender Herausforderung am oberen Rand des Toleranzfensters, mit ungestörter Zeit, Autonomie und echtem Interesse. Flow ist der Motor, der die pädagogischen Schwerpunkte entwicklungswirksam macht; die Engagiertheit auf der Leuven-Skala ist sein beobachtbarer Marker.

Pädagogische Schwerpunkte — hier blüht das Kind auf

«Nicht nur Defizite verhindern, sondern Lebendigkeit ermöglichen.»
Theorie. Aufblühen hat fünf Wege (PERMA): Positive Emotion (inkl. Dankbarkeit), Engagement (Flow), Beziehungen, Sinn und Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit. Der Mensch blüht nur in Gemeinschaft auf; Dankbarkeit und Freundlichkeit lassen sich üben.
Ehrliche Einordnung: PERMA ist an 0–4-Jährigen kaum validiert; der Transfer ist ein bewusster Gestaltungsakt, den wir offen so benennen.
Anwendung — die Schwerpunkte. Sechs Felder tragen diese Hälfte. Sie sind bewusst nicht von oben durchdekliniert, sondern leben von der Beobachtungsgabe und Kreativität jeder Mitarbeiterin — und von unserer Lebenswelt (Kreis 4, Zürich). Was hier entsteht, ist emergent, nicht vorgeschrieben.
  • Natur. Beruhigt und inspiriert zugleich — die Brücke zwischen Grund und Aufblühen. Draussen ist Regelfall, nicht Belohnung: Bewegung (Pikler), erträgliche Risiken (Resilienz), tiefe Vertiefung, alle Sinne.
  • Kreativer Ausdruck. Das Kind als Gestalter (Reggio-Atelier): offene Materialien, Prozess vor Produkt, Zugang zu echter Kunst, Musik und Kultur. Rahmen ist die nationale Initiative Lapurla — ästhetische Bildung und kulturelle Teilhabe von Anfang an, auch eine Frage der Chancengerechtigkeit.
  • Gemeinschaft. Aufblühen geschieht im Miteinander: helfen, teilen, trösten, gemeinsam schaffen; danken vorleben statt verordnen.
  • Sprache. Einer der stärksten Prädiktoren späterer Entwicklung. Reiche, dialogische Sprache — echtes Gespräch statt Anweisung, Sustained Shared Thinking in Aktion; Mehrsprachigkeit als Ressource. Sprache ist die erste der «hundert Sprachen».
  • Forschen, Zahl und Raum. Das sichere, spielende Kind ist von sich aus Wissenschaftler: Es sortiert, vergleicht, zählt, erkundet Ursache und Wirkung, entdeckt Muster und Naturphänomene. Wir stellen Fragen offen, statt Antworten zu liefern — mathematisch-logisches und naturwissenschaftlich-technisches Denken wächst im Tun, nicht im Arbeitsblatt.
  • Körper, Bewegung und Wohlbefinden. Der Körper ist die erste Sprache. Freie Bewegung (Pikler), Körperwahrnehmung, Ruhe und Rhythmus, Essen und Schlafen als Erfahrung von Selbstfürsorge — das Kind lernt, seinen eigenen Zustand zu spüren und zu regulieren.


Teil 3 — Anwendung

Der Alltag in konkreten Situationen.

Der Alltags-Kompass: 16 Orientierungshilfen

Keine Funktionsbeschreibung — die steht im jeweiligen Funktionsprofil. Diese sechzehn Punkte lenken die Aufmerksamkeit: worauf es im pädagogischen Alltag ankommt, wenn viel gleichzeitig passiert. Handlungsleitend, nicht abschliessend.
    Zuerst sich selbst regulieren. Der eigene Zustand ist das Instrument; man kann nur co-regulieren, was man selbst reguliert.
    Präsenz und Ankerfunktion halten. Da sein, bevor etwas «passiert»; die eigene Antwort steuern; nach Brüchen die Beziehung wiederherstellen.
    Gastgeberin sein. Willkommen heissen, Zugehörigkeit stiften, Kind und Eltern als Gäste empfangen — und die Energie erhöhen.
    Gleichwürdig begegnen. Das Kind in Erleben, Gefühlen und Integrität ernst nehmen. Machtgefälle ja, Würdegefälle nein.
    Das Spiel schützen. Grosszügige, ununterbrochene Spielzeit sichern; mitspielen, ohne zu übernehmen; Vertiefung nicht unterbrechen.
    Bindung als Kernauftrag. Feinfühlig antworten (serve and return), verlässlich verfügbar sein. Die verlässliche Beziehung einer Fachperson kann der entscheidende Resilienz-Schutzfaktor sein.
    Beobachten statt bewerten. Beim konkret Beobachtbaren bleiben, Interpretationen kennzeichnen, Zustand vor Verhalten lesen.
    Zugehörigkeit und Bedeutung stiften. Rituale, Wiederkehr, das Gefühl «ich gehöre dazu und werde vermisst».
    Selbstwirksamkeit zulassen. Dem Kind überlassen, was es selbst kann — auch wenn es langsamer und unordentlicher ist.
    Den Raum als dritte Pädagogin gestalten. Vielfältig, warm, optisch wie akustisch ruhig, mit integrierten Angeboten; erneuern, wenn er leerläuft.
    Inspirieren. Reich und dialogisch sprechen; Draussen zum Regelfall machen; schöpferisches Tun und kulturelle Teilhabe ermöglichen. Diese Hälfte lebt von deiner Beobachtungsgabe, Inspiration und Kreativität.
    Elternpartnerschaft leben. Eltern auf Augenhöhe, ihren Blick in die Beobachtung holen, transparent und wohlwollend kommunizieren.
    Dankbarkeit und Prosozialität einüben. Vorleben statt verordnen: danken, teilen, trösten, einander helfen.
    Resilienz aufbauen. Erträgliche Herausforderungen zumuten und dabeibleiben; Rückkehr üben, nicht Stress vermeiden.
    Forscherische Praxis leben (Play-Loop). Mit den Leuven-Skalen beobachten, dialogisch reflektieren, Mini-Experimente ableiten, Wirkung prüfen.
    Im Wir arbeiten. Unterstützung holen, transparent handeln, schwierige Situationen gemeinsam tragen.

Schlüsselsituationen gestalten

Das Spiel ist der Modus, in dem all das geschieht — die folgenden Situationen rahmen es, ersetzen es nie. Jede mit Tun / Lassen und einem Leuven-Blick.
Das freie Spiel und der Raum — das Herz des Tages: ein sicheres Kind konstruiert spielend seine Welt.
Tun: ununterbrochene Spielzeit schützen; dem Interesse folgen; mitspielen, ohne zu übernehmen; den Raum warm, ruhig und anregend halten; Angebote erneuern, wenn sie leerlaufen. Lassen: Spiel für «Aktivitäten» zerstückeln; Vertiefung unterbrechen; Reizüberflutung; statisches Umfeld. Leuven-Blick: Engagiertheit — Tiefe und Dauer der Vertiefung.
Eingewöhnung — das Nervensystem soll Ort und Menschen als sicher erleben; die Bezugsperson ist die Brücke.
Tun: empfangen und willkommen heissen; Tempo am Zustand des Kindes ausrichten; Signale lesen; Eltern aktiv einbinden. Lassen: starre Zeitpläne; forciertes Ablösen; Fortschritt gegen den sichtbaren Zustand. Leuven-Blick: Wohlbefinden — sinkt die Anspannung über die Tage?
Essen — der Tisch als Ort von Sicherheit und Freude; klare Verantwortungsteilung.
Tun: was und wie verantworten, dem Kind ob und wie viel überlassen; mit dem Kind kooperieren (Pikler); Genuss und Gespräch vor Menge; teilen und danken vorleben. Lassen: Zwang und «noch drei Bissen»; Belohnung oder Bestrafung ums Essen; den Tisch zur Machtprobe machen. Leuven-Blick: entspanntes Wohlbefinden, selbstbestimmte Engagiertheit.
Schlafen — der verletzlichste Zustand; Loslassen gelingt nur co-reguliert.
Tun: verlässlicher Rhythmus und Rituale; präsent begleiten; individuelle Beruhigungswege achten. Lassen: «Ausschreien-Lassen»; Einschlafen unter Anspannung; Rituale übergehen. Leuven-Blick: kann das Kind wirklich loslassen?
Übergänge — die Mikro-Stressoren des Tages.
Tun: ankündigen; begleiten; mit Ritualen überbrücken; Zeit geben. Lassen: abrupte Wechsel; Hetze; Übergänge als reine Logistik. Leuven-Blick: bleibt das Wohlbefinden über den Übergang stabil?
Sprache — die stärkste Entwicklungsressource; lebt im Spiel.
Tun: echtes Gespräch statt Anweisung; benennen, erzählen, vorlesen, singen; Fragen offenlassen; Mehrsprachigkeit als Ressource nutzen. Lassen: Kinder «zutexten» oder abfragen; Sprache auf Anweisung reduzieren; Mehrsprachigkeit als Defizit behandeln. Leuven-Blick: Engagiertheit im sprachlichen Austausch.
Draussen und Natur — beruhigt und inspiriert zugleich — Regelfall, nicht Belohnung.
Tun: täglich raus, bei jedem Wetter; freie Bewegung und lose Materialien; erträgliche Risiken zulassen; alle Sinne ansprechen. Lassen: Draussen als Ausnahme; überstrukturierte «Aktivitäten»; Risikoscheu, die Bewegung erstickt. Leuven-Blick: Ruhe (Wohlbefinden) und vertieftes Forschen (Engagiertheit).
Atelier und schöpferisches Tun — das Kind als Gestalter; hier wird «inspirierendste Kita» konkret (Reggio, Lapurla).
Tun: offene Materialien; Prozess vor Produkt; echte Kunst, Musik und Kultur zugänglich machen; eigenen Ausdruck ermöglichen. Lassen: Basteln nach Vorlage; Ergebnis-Kitsch für Eltern; das «Kunstwerk» bewerten; Erwachsenenästhetik über kindlichem Ausdruck. Leuven-Blick: Engagiertheit und sichtbare Lebendigkeit im Tun.
Gemeinschaft: Dankbarkeit und einander Gutes tun — Aufblühen geschieht im Miteinander.
Tun: täglich Gelegenheiten schaffen für helfen, teilen, trösten, gemeinsam schaffen; danken vorleben; Für-einander sichtbar machen. Lassen: erzwungene Dankformeln ohne Erleben; Dankbarkeit als Pflicht; Wettbewerb statt Miteinander. Leuven-Blick: Wohlbefinden in der Beziehung, Momente geteilter Freude.
Der konkrete Ablauf pro Gruppe steht in den Tagesabläufen.

Dokumentation: Lernen sichtbar machen

Beobachten dient zwei Zwecken. Der Play-Loop nutzt es, um unsere Praxis weiterzuentwickeln (Teil 4) — die Dokumentation macht das Lernen des einzelnen Kindes sichtbar. In Anlehnung an die Lerngeschichten (Learning Stories, Carr) und die Reggio-Dokumentation halten wir fest, was ein Kind vertieft, kann und wird: kurze Geschichten, Fotos, Werke, ein Portfolio, das dem Kind gehört. Das stärkt Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit, holt die Eltern in die Beobachtung — und wandert am Ende mit dem Kind weiter.

Zusammenarbeit mit Eltern — das ganze Dorf

Es braucht ein Dorf; wir sind ein wichtiger Teil davon, nicht sein Ersatz. Ein Kind wächst nicht in der Kita auf, sondern in einem Netz von Beziehungen — die Familie zuerst und zuvorderst. Daraus folgt echte Partnerschaft auf Augenhöhe (Gleichwürdigkeit gilt auch den Eltern). Hier lösen wir ein zweites Missions-Versprechen ein: dass jeder Elternteil durch die Zusammenarbeit gelassener und positiver wird. Je stärker das Dorf, desto tragfähiger der Grund des Kindes.
Tun: Eltern als Partner auf Augenhöhe; ihren Blick in die Beobachtung holen; transparent und wohlwollend kommunizieren; sie in der Eingewöhnung als Brücke einbeziehen. Lassen: über die Köpfe der Eltern hinweg entscheiden; Belehrung statt Dialog; Unsicherheiten verschweigen.

Ein wichtiger Übergang: in den Kindergarten

Die Mikro-Übergänge des Tages üben, was der grosse Übergang braucht. Wenn ein Kind uns verlässt, sorgen wir für Anschlussfähigkeit: Wir bereiten den Wechsel behutsam vor, geben dem Kind sein Portfolio als Brücke seiner Lerngeschichte mit und stehen — wo sinnvoll und mit Einverständnis der Eltern — mit dem Kindergarten in Austausch. Nicht Schulvorbereitung im Sinne von Vorziehen, sondern ein sicherer, würdevoller Anschluss: Das Kind soll den nächsten Ort so betreten, wie es zu uns kam — willkommen und gestärkt.


Teil 4 — Entwicklung

Wie wir besser werden — und ehrlich bleiben.
Der Play-Loop ist unsere Art, Praxis weiterzuentwickeln: Irritation → Wunsch → Experiment → Reflexion. Was fällt auf oder stört, wie hätten wir es gern, woran würden wir merken, dass es besser ist, was probieren wir aus, was hat sich verändert. Meist genügen genaues Hinschauen und Aufschreiben; wo mehr Schärfe nötig ist, helfen die Leuven-Skalen (Wohlbefinden und Engagiertheit) oder die Interaktionsbeobachtung im Sinne des Sustained Shared Thinking — nie um das Kind zu bewerten, sondern um zu fragen: Was stärkt Sicherheit und Vertiefung? Prinzipien: kindzentriert, beziehungsorientiert, dialogische Team-Reflexion, Micro-Change, iterativ. Fachpersonen werden zu forscherischen Praktikerinnen; organisationsweit führen wir den Loop über unsere Fokusthemen. Der Name ist Programm: Wir erproben spielerisch, in kleinen Schritten, und schauen nach, was passiert. Wir behaupten Wirkung nicht, wir prüfen sie.
Ehrliche Einordnung: Die tragenden Elemente — Leuven-Skalen (Laevers), Sustained Shared Thinking (SSTEW), die EPPE/REPEY-Tradition, PERMA — gehören zum Bestbelegten der Frühpädagogik; die Idee der beobachtungsgestützten Selbstevaluation stammt aus der Effective-Early-Learning-Tradition (Pascal und Bertram). Der Play-Loop als Zusammenstellung ist unsere eigene Entwicklung und trägt bewusst einen eigenen Namen — kein extern validiertes Fertigmodell. Auf konkrete Wirkungsprozentzahlen verzichten wir, solange sie nicht sauber belegt sind.


Teil 5 — Aufblühen

Wohin es alle trägt.
Hier schliesst sich der Kreis. Das Bild vom Kind gilt auch für uns Erwachsene: Dieselben fünf Wege, auf denen ein Kind aufblüht, gelten dem Team. Und genau die Art, wie wir arbeiten — forschend, ehrlich, in kleinen Schritten — erzeugt dieses Aufblühen nicht nur beim Kind, sondern bei uns selbst. Wer präsent, beziehungsstark und wirksam mit Kindern arbeitet, erlebt Engagement, Sinn, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit — PERMA auf der Erwachsenen-Ebene. Wie wir dafür organisiert sind, steht in  Wieso wir so organisiert sind .
So wird die Vision, die inspirierendste Kita zu sein, nicht behauptet, sondern vorgelebt: Eine Kita blüht nur auf, wenn die Menschen darin aufblühen — Kinder, Eltern und Team zugleich. Damit kehren wir zur Mission zurück, mit der wir begonnen haben: jedes Kind wird inspiriert und gestärkt — und mit ihm alle, die es begleiten.


Quellenverzeichnis

Bindung, Beziehung und Neurobiologie
  • Bowlby, J. (1969). Attachment and Loss, Vol. 1. Basic Books.
  • Ainsworth, M. D. S. et al. (1978). Patterns of Attachment. Erlbaum.
  • Siegel, D. J. (2012). The Developing Mind (2. Aufl.). Guilford.
  • Schore, A. N. (1994). Affect Regulation and the Origin of the Self. Erlbaum.
  • Hüther, G. (2016). Mit Freude lernen — ein Leben lang. Vandenhoeck und Ruprecht.
  • Perry, B. D., und Szalavitz, M. (2017). The Boy Who Was Raised as a Dog. Basic Books.
  • Huttenlocher, P. R. (2002). Neural Plasticity. Harvard University Press.
  • Center on the Developing Child, Harvard University: «Serve and Return» und «Brain Architecture».
  • National Scientific Council on the Developing Child (2015). Supportive Relationships and Active Skill-Building Strengthen the Foundations of Resilience (Working Paper 13).
Polyvagaltheorie
  • Porges, S. W. (2011). The Polyvagal Theory. Norton.
  • Dana, D. (2018). The Polyvagal Theory in Therapy. Norton.
  • Kritische Einordnung: Grossman, P., und Taylor, E. W. (2007). Toward understanding respiratory sinus arrhythmia. Biological Psychology, 74 (2).
Spiel, Lernen, Konstruktivismus
  • Piaget, J. (1951). Play, Dreams and Imitation in Childhood. Routledge.
  • Vygotsky, L. S. (1978). Mind in Society. Harvard University Press.
  • Zosh, J. M. et al. (2017). Learning through Play: A Review of the Evidence. LEGO Foundation.
Positive Psychologie und Flow
  • Seligman, M. E. P. (2011). Flourish. Free Press.
  • Csikszentmihalyi, M. (1990). Flow. Harper und Row.
  • Layous, K. et al. (2012). Kindness counts. PLoS ONE, 7 (12).
Autorität und Beziehung
  • Omer, H. (2015). Stärke statt Macht: Neue Autorität in Familie, Schule und Gemeinde. Vandenhoeck und Ruprecht.
  • Juul, J. (2016). Leitwölfe sein. Beltz.
Pädagogische Ansätze
  • Edwards, C., Gandini, L., und Forman, G. (1998). The Hundred Languages of Children (Reggio Emilia). Ablex.
  • Pikler, E. (1988). Lasst mir Zeit. Pflaum.
Eingewöhnung
  • Laewen, H.-J., Andres, B., und Hédervári, É. (2000). Ohne Eltern geht es nicht (Berliner Modell). Cornelsen.
Beobachtung und Qualität
  • Laevers, F. (Hrsg.) (2005). Well-being and Involvement in Care Settings (SICS). Leuven, CEGO.
  • Siraj-Blatchford, I., Sylva, K. et al. (2002). Researching Effective Pedagogy in the Early Years (REPEY). DfES.
  • Sylva, K. et al. (2004). The Effective Provision of Pre-School Education (EPPE) Project. DfES.
  • Siraj, I., Kingston, D., und Melhuish, E. (2015). Sustained Shared Thinking and Emotional Well-being (SSTEW) Scale. IOE Press.
  • Carr, M. (2001). Assessment in Early Childhood Settings: Learning Stories. Sage.
Ästhetische und kulturelle Bildung (Schweiz)
  • Lapurla — Kinder folgen ihrer Neugier. Initiative des Migros-Kulturprozent und der Hochschule der Künste Bern (HKB).
  • Wustmann Seiler, C., und Simoni, H. (2012). Orientierungsrahmen für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in der Schweiz.